Aufräumen geht alle an!

Die Kindergartenkinder des Telos-Kinderhauses sammeln sich bereits zur Versammlung im Mehrzweckraum, ich komme als letzte den Flur entlang – und was sehe ich? Chaos in der Garderobe. Während ich die Treppe hochgehe, überlege ich, wie ich das den Kindern so vermittle, das sie lernen, mit FREUDE aufzuräumen. Meine Lösung: Das Thema ihnen geben.

Oben bei den Kindern angelangt sage ich in freundlichem, spannendem Tonfall: „Jetzt muss ich euch was sagen: Ich komm gerade an der Garderobe vorbei – und was sehen ich?! Lauter Schuhe und Jacken durcheinander am Boden und ein Häufchen Sand vom Sandkasten! Wisst ihr was? Ich weiß gar nicht, wem die Sachen gehören – ich kann mir das einfach nicht merken, wem welche Jacke gehört. Was machen wir denn nun?“ – „Wir räumen auf! Wir gehen runter! Der, der Unordnung gemacht hat, soll runter gehen!“ schallt es mir entgegen. „Okay, so machen wir es: Ich rufe immer ein paar Kinder auf, die gehen runter und schauen nach, ob sie was zum Aufräumen haben.“ Einige sagen: „Der/die XY hat seine Jacke nicht aufgeräumt!“ Das überhöre ich geflissentlich.

Während die Versammlung ihren normalen Gang läuft, rufe ich immer ca. 4 Kinder auf, die eifrig, heiter und neugierig runter gehen und wahrscheinlich aufräumen. Als alle unten waren, fragt ein Kind: „Soll ich nachschauen, ob alles ordentlich ist?“ Wie aus einem Mund sagen meine Kollegin und ich: „Nein, nein, das passt schon!“ Denn: Wir vertrauen darauf, dass die Kinder unser aller Garderobe ordentlich haben wollen und dies nun jeder für sich entsprechend seiner Möglichkeit erledigt hat.

Wollen Sie etwas daraus für sich und Ihre Familie mitnehmen? Vielleicht das:

* Kinder wollen es schön (in jeder „Beziehung“!) haben.

* Gehen wir als Erwachsene davon aus, dass Kinder manche Vorschrift im Eifer des Spiels „vergessen“ – nicht aus Absicht, sondern weil sie so beschäftigt sind; oder weil es wichtiger ist, sich als erster den „besten“ Platz in der Versammlung /beim Essen/ in der Geschwisterreihe zu suchen; oder weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie durch ihre „Vergesslichkeit“ etwas anderes von uns Erwachsenen bekommen: Negative Aufmerksamkeit.

* Gehen wir als Erwachsene davon aus, dass Kinder sich sehr wohl merken (wenn auch unbewusst – klingt nach Widerspruch, ist es aber nicht), mit welcher ihrer „Vergesslichkeiten“ sie bei uns besonders viel negative Aufmerksamkeit (Schimpfen/Belehren…) bekommen. Und dass sie in bestimmten Zeiten genau diese negative Aufmerksamkeit von uns (unbewusst) einfordern.

* Geben wir ihnen doch lieber positive und liebevolle Aufmerksamkeit da, wo es passt – das macht auch uns Erwachsenen viel mehr Freude!

 

Veronika Seile, Telos-Ermutigungspädagogin

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