Falsch verstanden?

Was ich (im Telos-Kinderhaus) beobachte: Ein 3-jähriges Kind möchte im Sand mitspielen. Die älteren Kinder lassen es nicht dabei sein. Das 3-jährige wandert betröppelt weiter – und holt sich ein Bobby Car! Es gesellt sich zu den vielen Kindern, die auf dem Pflaster herum sausen. Doch schon wieder wird es ausgebremst: Hier auf dem Pflaster findet momentan der Fahrzeugtag für die älteren Kinder statt – die jüngeren sollen hinter die kleine Absperrung und können dort mit den Fahrzeugen fahren (da ist aber nicht so viel Platz und außerdem hoppelt es… – dass die jüngeren Kinder später den tollen großen Platz auf dem Pflaster ganz alleine bekommen, ist zwar logisch… aber später ist nicht jetzt!). Das Kind steht schon wieder betröppelt da.

Das sagt mir sein Blick: „Nirgendwo bin ich willkommen. Ich mache nichts richtig. Ich will groß sein und man lässt mich nicht. Etwas stimmt nicht (an mir).“ Ich gehe zu dem Kind, gehe in die Hocke, streiche ihm über den Rücken: „Na, NN, jetzt hast du gerade nirgendwo Platz gefunden. Das ist schade. Danke, dass du den älteren Kindern Platz gemacht hast! Wo wirst du denn derweil spielen, bis du am großen Platz zum Fahren dran bist?“ Das Kind hört aufmerksam zu und nickt. Es spürt meine Anerkennung und Zuneigung, es hört und versteht meine Erklärung. Seine Augen leuchten wieder und es gesellt sich heiter zu meiner Kollegin, die mit anderen Kindern am kleinen Tisch mit Papier und Stiften werkelt. Gerade nochmal gut gegangen!

So schnell kann es passieren, dass ein Kind, aus einer Kleinigkeit heraus, sich ein falsches Weltbild bastelt!  Wer so etwas beobachtet, ist immer dazu aufgerufen, die Situation ermutigend zu gestalten!

Zum Nachdenken: Macht eine solche erlebte Situation, dass das Kind sich grundsätzlich entmutigen lässt? Wohl nicht – aber genau wissen wir es nicht. Die Erwartungshaltung des Kindes wird aber mehr und mehr in diese Richtung gedrängt, je öfter und je intensiver das Kind solch ähnlich empfundene Situationen erlebt. Die Synapsen tragen ihren Teil dazu bei… Und am Ende interpretiert das Kind ganz „normale“ Situationen so, dass es „nicht willkommen“ ist… eine Prägung fürs Leben hat dann (nach mehrmaliger Wiederholung; der sehr intensivem Erleben) stattgefunden.

Veronika Seiler, Telos-Ermutigungspädagogin

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