Spaziergang durch den Garten (Ermutigungspädagogik praktisch):

Es ist Gartenzeit. Ich bemerke das 3-jährige Kind, als es mit einem Stock auf unsere Hainbuchen-Hecke eindrischt. „Ach herrje“ denke ich “früher hätte ich es davon abgehalten… naja, die Buche wird es schon aushalten“. Dann läuft es weiter durch den Garten und kommt an einer Gruppe älterer Kinder vorbei – die faucht es an und fuchtelt ihnen mit seinem Stock vor den Augen herum. „Oh!“ denke ich „hoffentlich passiert nichts! Naja, die Kinder sind ja mittlerweile geübt im Umgang mit Stöcken.“ Das Kind wandert weiter… nach einiger Zeit sehe ich es ganz hinten im kleinen Häuschen. Da ist heute gesperrt, wegen Gefahr abstürzender Äste bei dem Sturm. Ich eile hin: „Heute ist hier gesperrt!“ Ich erkläre, warum. „Komm!“ Das Kind schaut mich nachdenklich an: „Es ist doch ein Dach hier!“ – „Schon. Aber die Äste könnten das Dach durchbrechen. Komm!“ sage ich und halte ihm die Hand hin. Es will nicht. „Kletterst du über dieses Brett (das den Eingang versperrt) oder drunter durch?“ sage ich freundlich. „Drüber.“ Gemeinsam wandern wir in Richtung Haus zurück. Nach einer Weile sieht meine Kollegin, dass es nun mit seinem Stock im Beet steht und auf ein kleines Johannisbeer-Bäumchen eindrischt. „Das geht nicht!“ sagt meine Kollegin. „Da wachsen ja keine Beeren mehr!“ Sie eilt hin – wird aber durch einen Tröstungs-Notfall abgelenkt. Also gehe ich wieder hin. Freundlich sage ich: „Wenn du da drauf haust, wachsen im Sommer keine Johannisbeeren mehr. Kannst du dich erinnern, wie die schmecken?“ Das Kind denkt nach und schaut sich um: „Hier wachsen dann auch keine mehr“ sagt es und deutet auf das zweite Bäumchen. Es hat verstanden und geht aus dem Beet hinaus.

Die Frage der Telos®-Ermutigungspädagogik ist: Wie viel muss/soll ich ein Kind ein-, oder vielmehr aus-bremsen? Wo ist die notwendige und nötige Grenze?

Gesundheit an Leib und Leben hat immer Vorrang – so war es im hinteren Häuschen. Die Augen der anderen Kinder… da konnte ich auf meine Erfahrung mit all diesen Kindern vertrauen, und auf ihre Erfahrung im Umgang mit Stöcken. Die Buchenhecke: Ich habe schon viel gelernt, Bäume sind doch recht stabil… Das Johannisbeer-Bäumchen: Zum Glück hat sich das Kind an die leckeren Beeren erinnert!

Gut, dass ich nicht zu viele Grenzen gegeben habe, so konnte es die wirklich nötigen Grenzen gerne akzeptieren!

Veronika Seiler, Telos-Ermutigungspädagogin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies um unseren Besuchern eine optimale Erfahrung bieten zu können.
Weitere Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. OK, bitte nicht mehr anzeigen.