Warum ich doch hin und wieder Fliegen verscheuche (aus dem Alltag einer Ermutigungspädagogin)

 Zugegeben: Es war dann doch spät, als wir gestern vom Seetag wieder Richtung Kinderhaus zurück gewandert sind. Das ist in zweierlei Hinsicht ungünstig: Wir haben Zeitdruck (Abholzeit 13.00 Uhr wollen wir erreichen) und die Kinder sind noch müder, als vorher.

Ich lief neben zweien, die ihre Müdigkeit an ihren Partnern vor und hinter ihnen in der Kinderreihe ausgelassen haben: Mal hier am Rucksack des Vordermannes ziehen, mal mit der Hinterfrau ein paar Worte wechseln und dabei das Tempo drosseln. Einen Stein am Boden aufheben. Mit einem Stöckchen den Vordermann am Rücken stupfen… Immer wieder machte ich sie darauf aufmerksam: „Etwas schneller bitte.“ – „Schau mal, wie groß die Lücke schon ist.“ – „Prima, wie dicht du an deinem Vorläufer gehst – genau richtig!“ (auch, wenn ich davon nur einen Hauch ahnte…).

Warum ich so viele Fliegen verscheuchte – wie Rudolf Dreikurs sagt, dass wir es vermeiden sollen (unnötigerweise ständig das Verhalten der Kinder ermahnen)?  Wegen dieser kurzen Vorgeschichte:

Wir wollen losgehen, schon bei den ersten Schritten läuft dieses Kinderpaar „unrund“ (hampeln, komische Schritte machen… der Zug verzögert sich). Ich sage freundlich: „Lauft ordentlich, damit wir rechtzeitig heim kommen. Das Mittagessen wartet.“ Schon der Blick der Kinder ist – Abwehr. Vier, fünf Schritte gehe ich daneben und beobachte, wie sie weiter herumhampeln. „Ich nehme euch an die Hand“, sage ich freundlich. Beide Kinder zeigen mir in einer absoluten Abwehrhaltung ihr deutliches diesbezügliches Missfallen. Entweder, ich ziehe das jetzt durch – das wird aber dauern! Und alle anderen Kindern müssen dann warten! – oder: Ich lasse es bleiben. Es ist ein Abwägen, was schneller geht: Diesen kleinen Machtkampf auf ermutigende Weise ausfechten (z.B. mit Wahlmöglichkeiten oder klarer Ansage mit folgenden klaren Taten), oder eben – “Fliegen verscheuchen“. Naja, letztendlich sind wir etwas ermattet im Kinderhaus angekommen. Das Essen wartet ja immer, so ein Glück!

Veronika Seiler, Telos-Ermutigungspädagogin, Leitung Telos-Kinderhaus

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